Rumi – Himmelsgewölbe und Wind tanzen


Rubai Nr. 555

ای روز برا که ذره‌ها رقص کنند
ey rûz barâ ke zarehâ raqs konand

Dämmerung, erhebe dich! Die Teilchen tanzen.

آن کس که از او چرخ و هوا رقص کنند
ân kas ke az û charkh-o havâ raqs konand

Seinetwegen tanzen Himmelsgewölbe und Wind.

جانها ز خوشی بی‌سر و پا رقص کنند
jânhâ ze khoshî bî sar-o pâ raqs konand

Die Seelen tanzen wild vor Freude.

در گوش تو گویم که کجا رقص کنند
dar gûsh-e tô gûyam ke kojâ raqs konand

Ich flüstere dir ins Ohr, wo sie tanzen.



Rubai Nr. 442

هر ذره که در هوا و در هامونست
har zarre ke dar havâ vô dar hâmûn ast

Jedes Teilchen in Wind und Wüste:

نیکو نگرش که همچو ما مجنونست
nîkû negarash ke hamcho mâ majnûn ast

Betrachte es gut! Wie wir ist es verliebt1.

هر ذره اگر خوش است اگر محزونست
har zarre agar khosh ast agar mahzûn ast

Jedes Teilchen, sei es fröhlich, sei es traurig,

سرگشته خورشید خوش بیچونست
sargashte-ye khorshîd-e khosh-e bîchon ast

ist verliebt in die heitere, unergründliche2 Sonne.

Verliebt: majnûn, eigentlich: besessen, verrückt. Leyla und Majnûn sind ein bekanntes Liebespaar der persischen Dichtung. Der Ursprung der Geschichte ist arabisch, bekannt geworden ist sie vor allem durch Nezami. Qays ist in Leyli verliebt, ihre Familie spricht sich jedoch gegen eine Heirat aus. Qays ist von seiner Liebe zu Leyli besessen und spricht nur noch von ihr, sodass er im Dorf als Majnun bekannt wird. Majnun flieht vor Kummer in die Wüste und umgibt sich dort mit wilden Tieren.
Unergründlich: wörtlich: ohne Grund. Die Sonne lässt sich nicht erklären, sie existiert ohne Grund. Siehe den Wikipedia-Artikel Cosmological Argument.

Gesungen von: Salar Aghili, Poem of the Atoms.

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